Bits, Bytes – und Burnout?

Die IT-Branche befindet sich auf einer Gratwanderung zwischen zwei Extremen: Auf der einen Seite locken Unternehmen das rar gesäte Fachpersonal mit immer flexibleren Arbeitsmodellen, die die große Freiheit versprechen – von der Vier-Tage-Woche bis zum orts- und zeitunabhängigen Arbeiten. Auf der anderen Seite steht die Realität in vielen IT-Unternehmen. Und die besteht aus Überstunden, Wochenendarbeit und ständiger Erreichbarkeit. Können Führungskräfte hier gegensteuern?
Wenn, wie in der Praxis bereits geschehen, Bewerber in einem Vorstellungsgespräch voller Selbstbewusstsein erzählen, dass sie 16 Monate ohne Urlaub gearbeitet haben und glauben, ihr neuer Arbeitgeber würde das positiv bewerten, läuft vor allem in Sachen Arbeitskultur etwas schief. Das Motto „Zu viel war nicht genug“ gehört schleunigst abgeschafft – wir brauchen gesunde, produktive und ausgeglichene Arbeitsbedingungen in der IT-Branche. Diese Forderung ist nicht neu, aber sie ist so aktuell wie noch nie.
Dass sie teilweise so schwer umzusetzen ist, hat mehrere Gründe. Da wären zeitkritische Projekte, hohe Kundenerwartungen oder notwendige Arbeiten an Systemen und Netzwerken, die keinen Aufschub erlauben. Eines haben alle angeführten Aspekte gemeinsam: sie üben Druck auf die Unternehmensleitung und Angestellten aus. Im Gegensatz zu der bekannten Redensart, dass nur unter Druck Diamanten entstehen, führt hohe Arbeitslast und eine Work-Life-Balance in Schieflage allerdings eher zu überlasteten Mitarbeitenden, mehr krankheitsbedingten Ausfällen und weniger Produktivität. Ganz zu schweigen von der oft als angenehm angepriesenen Arbeitsumgebung, die mit steigendem Stressfaktor als Erstes wegfällt. Es ist nicht wegzudiskutieren, dass die IT-Branche mit ihrer zentralen Rolle für Wirtschaft und Gesellschaft manche Arbeiten verrichten muss, bei denen kein Weg an Überstunden, Rufbereitschaft und Wochenendarbeiten vorbeiführt. Gefordert ist hier das Management, das Grenzen setzen, Teams organisieren und Lösungswege finden muss. Und auch darauf achtet, dass niemand aus der Belegschaft 16 Monate am Stück ohne Urlaub arbeitet. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und die Gesundheit der Mitarbeitenden zu priorisieren – das Thema Mental Health schlägt in der Tech-Branche nicht ohne Grund seit Jahren hohe Wellen.
Wir brauchen also ein neues, gesundes Verständnis der Arbeitsbedingungen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung war die verpflichtende Arbeitszeiterfassung, die allerdings zu leicht zu umgehen ist – niemand kann kontrollieren, wenn sich Entwicklerinnen und Entwickler auch über ihre eigentliche Arbeitszeit hinaus mit Projekten befassen. Welche Rahmenbedingungen können Unternehmen also schaffen, die ein gesundes Arbeitsumfeld fördern und gleichzeitig dafür sorgen, dass Unternehmen trotz hohem Druck wirtschaftlich bleiben?
Eine mögliche Antwort liegt in der konkreten Planung von effektiven Arbeitszeiten, bei denen Führungskräfte die Ziele und Erwartungen klar kommunizieren. Dabei müssen verbindliche Spielregeln gelten: Urlaub ist Urlaub, Freizeit ist Freizeit – Ausnahmen darf das Unternehmen nicht blind voraussetzen, sondern aktiv mit den Beteiligten diskutieren. Es lässt sich allerdings nicht von der Hand weisen, dass stressige und fordernde Zeiten besonders in der IT nicht immer zu verhindern sind. Auch hier ist es an den Führungskräften, die teilweise hohen Belastungen der Mitarbeitenden dann mit Freizeit auszugleichen, wenn die Arbeitslast es zulässt, Anstrengungen und Extrameilen zu würdigen und den Einsatz der Belegschaft nicht als gegeben hinzunehmen. Anerkennung, Ausgleich und offene Kommunikation können als probate Mittel im Kampf gegen die Überbelastung dienen. Denn erst wenn es gelingt den Druck zu reduzieren, können sich Talente wieder entfalten und IT-Unternehmen eine Kultur etablieren, die für alle Beteiligten gesund und angenehm ist. Oder um es in den Worten des französischen Schauspielers Jacques Tati zu sagen: „Gehe in deiner Arbeit auf, nicht unter.“

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